In Österreich stehen mehr als dreihundert sowjetische militärische Grabstätten und Gedenkorte, die mit der Geschichte des Zweiten Weltkrieges zusammenhängen, unter Schutz. Auf diese Weise erfüllen die Österreicher nicht nur die Bedingungen des Staatsvertrags (Staatsvertrag betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich) mit den Alliierten der Anti-Hitler-Koalition und anderer staatlichen Rechtsakte (Gesamte Rechtsvorschrift für Fürsorge für Kriegsgräber (1. und 2. Weltkrieg), Fassung vom 17.02.2017), sie bewahren obendrein das Andenken an jene, die ihr Land befreit haben.
Speziell für die Realisierung der virtuellen Exkursion „Wege des Sieges“ wird durch Rossotrudnitschestwo ein Audio-Guide zu den Schlüsselorten des Gedenkens in Wien zur Verfügung gestellt als Alternative zu der traditionellen Fußgängerexkursion durch die Stätten des Waffenruhms sowjetischer Kämpfer.
Im Rahmen des Projekts „Wege des Sieges“ anlässlich der Befreiung Wiens wird der Vortrag des wissenschaftlichen Direktors des RWIO Mjagkow über die Wiener Offensiv-Operation, deren Ziel die Vollendung der Befreiung Ungarns, des östlichen Teils Österreichs und Wiens war, aufgezeichnet werden.
Für alle, die gegenüber der Geschichte des Großen Sieges sowie der Frage des Kampfes gegen Geschichtsfälschungen nicht gleichgültig sind, wird die Vertretung von Rossotrudnitschestwo in Wien auch einen Film vorbereiten, der der Befreiung Wiens durch die Kämpfer der Roten Armee im April 1945 gewidmet sein wird.
Zur Information
Über die internationale Aktion „Wege des Sieges“
Die internationale geschichtlich-aufklärerische Aktion „Wege des Sieges“, die von Rossotrudnitschestwo und der Russischen kriegshistorischen Gesellschaft im Oktober 2019 ins Leben gerufen wurde, durchstreifte eindrucksvoll bereits drei Länder: Gedenkveranstaltungen fanden in Belgrad, Warschau und Budapest statt.
Im Rahmen dieser Aktion werden Exkursionen durch die Stätten des Waffenruhms sowjetischer Kämpfer und des Gedenkens in europäischen Städten, für deren Befreiung und Eroberung Kriegsmedaillen gestiftet wurden, organisiert.
Insgesamt gab es im sowjetischen Auszeichnungssystem sieben solcher Medaillen.
„Für die Befreiung Berlins“ – 20. Oktober 1944
„Für die Befreiung Warschaus“ – 17. Jänner 1945
„Für die Befreiung Budapests“ – 13. Februar 1945
„Für die Eroberung Königsbergs“ – 10. April 1945
„Für die Eroberung Wiens“ – 13. April 1945
„Für die Eroberung Berlins“ – 2. Mai 1945
„Für die Befreiung Prags“ – 9. Mai 1945
Durch die Förderung kriegsgeschichtlicher Thematik und der gemeinsamen historischen Vergangenheit Russlands mit anderen Ländern trägt das Projekt zur Erhaltung der historischen Erinnerung bei den Landsleuten und ausländischen Bürgern, insbesondere der Jugend, sowie zum Widerstand gegen Versuche, die Befreiungsmission der Roten Armee zu verfälschen, bei.
Über die Wiener strategische Offensiv-Operation
Im Zuge der Wiener Operation (16. März bis 15. April 1945) rückten die Streitkräfte der 3. ukrainischen Front und Teile der Streitkräfte der 2. ukrainischen Front am 30. März 1945 auf das Gebiet Österreichs vor.
Die Operation wurde von den Streitkräften der 3. ukrainischen Front (Befehlshaber – Fjodor Tolbuchin), einem Teil der 2. ukrainischen Front (Befehlshaber – Rodion Malinowskij) und der Donau-Kriegsflotte (Befehlshaber – Konteradmiral Georgij Cholostjakow) durchgeführt. Im Verband der 3. Ukrainischen Front beteiligte sich die 1. bulgarische Armee (General Wladimir Stojtschew).
Die Kämpfe in den Vororten Wiens und in der Stadt selbst fanden vom 5. bis zum 13. April statt und waren sehr hart. In der Stadt waren die erste mechanisierte Division, acht Panzerdivisionen und bis zu fünfzehn vereinzelte Bataillons des Gegners in der Abwehr aktiv. Am 5. April konnten die Einheiten der 3. ukrainischen Front den Widerstand des Feindes nicht brechen und drangen nur unwesentlich vor. Am 6. April schlugen sie gleichzeitig von mehreren Seiten zu: von Südwesten, von Westen und von Nordwesten. Am 6. April, als die Sowjetarmee die Vororte Wiens stürmte, wandte sich der Befehlshaber der 3. ukrainischen Front an die Stadtbevölkerung mit dem Appell, zu bleiben, den sowjetischen Kämpfern zu helfen und es nicht zuzulassen, dass die Deutschen die Stadt zerstören. Am 13. April wurde Wien nach erbitterten Kämpfen von den sowjetischen Streitkräften erobert.
Die Befreiung Ungarns wurde vollendet und der Osten Österreichs samt der Hauptstadt Wien komplett vom Feind befreit. Deutschland verlor wichtige Erdölvorkommen und mit Wien einen wichtigen Industriebezirk. Im Zuge der Offensive vernichteten sowjetische Streitkräfte 32 Divisionen des Gegners und nahmen dabei 130 Tausend Soldaten und Offiziere gefangen. Der Einmarsch der Roten Armee in Österreich befreite das österreichische Volk aus der Nazi-Versklavung. Der Grundstein des Wiederaufbaus der österreichischen Staatlichkeit war somit gelegt. Die Wiener empfingen die Soldaten der Roten Armee als Befreier.
Im Zuge der Wiener Offensive-Operation war der unwiederbringliche Verlust von mehr als 38 Tausend unserer Soldaten und Offiziere zu beklagen.
Auf Befehl des Oberkommandierenden wurde den an den Kämpfen für die Befreiung Wiens beteiligten Streitkräften der Dank ausgesprochen und in Moskau salutierten 324 Geschütze mit 24 Salvenschüssen der Artillerie.
Für den Mut, das Heldentum und die hohe Kriegskunst, die im Zuge der Wiener Operation an den Tag gelegt wurden, erhielten 50 Einheiten und Truppen die Ehrenbezeichnung „Wiener …“.
Am 9. Juni 1945 wurde die Medaille „Für die Eroberung Wiens“ gestiftet; mit dieser Medaille wurden mehr als 268 Tausend sowjetischer Kämpfer ausgezeichnet.